Das philosophische Gespräch, gepflegt seit der griechischen Antike, ist eine Form des gemeinsamen gefühlvollen Nachdenkens. Seit den 80er Jahren befindet es sich, unter der Bezeichnung Philosophische Praxis, in einem Prozess der Professionalisierung und wendet sich an alle Menschen, deren Fragen - an sich selbst und an die Welt - nicht vollständig geklärt sind, die in krisenhaften Lebenssituationen stecken oder einen unparteiischen Gesprächspartner suchen, um Erlebtes und Durchlittenes auszudrücken, rechte Sprache zu finden, Entscheidungen zu prüfen. 

Unweigerlich stellt sich die Frage nach der Abgrenzung zur Psychotherapie, die Dr. Gerd B. Achenbach, der Begründer der modernen Philosophischen Praxis, wie folgt vornimmt:

 

»Während der psychologische Blick darauf trainiert ist, Besonderes, Spezielles in spezieller Weise wahrzunehmen, vor allem psychogene, also psychisch bedingte Fatalitäten [...], ist paradox gesagt der Philosoph Spezialist fürs Nichtspezielle, sowohl fürs Allgemeine und Übersichtliche (auch für die reiche Tradition des schon vernünftig Gedachten), ebenso aber fürs Widersprüchliche und Abweichende – mit besonderem Nachdruck: fürs Individuelle und Einmalige. Auf diese Weise nimmt der Philosoph in der Praxis seinen Besucher ernst: Er wird nicht theoriegeleitet (schematisch) verstanden, überhaupt nicht als „Fall einer Regel", sondern als der eine, der er ist. Kein „Maßstab" befindet über ihn (auch nicht der einer „Gesundheit"), sondern die Frage ist, ob er sich selbst angemessen lebt - mit Nietzsches Wort: Ob er wurde, der er ist.«

Der alten sokratischen Maxime folgend, nach der nur ein geprüftes Leben lebenswert sei, bietet das philosophische Gespräch einen Raum zur Selbstprüfung, welche nicht zuletzt im Krankheitsfalle wichtig und notwendig sein mag.